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Strom aus Wasserkraft - Energie mit über 100-jähriger Tradition

 

Die Wasserkraft ist - wenn es um die Stromerzeugung geht - unter den erneuerbaren Energiequellen die traditionsreichste. Schon in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden in Europa Wasserkraftwerke gebaut. Heute sind 47 Prozent aller Kleinwasserkraftwerke in Europa älter als 60 Jahre, und 68 Prozent älter als 40 Jahre. Aufgrund dieser Tradition verfügt Europa heute weltweit über die beste Technologie zur Kleinwasserkraftnutzung. Im Unterschied zu allen anderen Formen der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist die Wasserkraft bereits seit vielen Jahrzehnten technisch weitgehend ausgereift. Selbst Anlagen der zwanziger Jahre sind heute noch weitgehend unverändert in Betrieb - sie liegen mit ihren Erträgen mitunter kaum niedriger als Neubauten.

 

Etwa 19 Prozent des Strombedarfs der Erde wird heute mit Wasserkraft gedeckt. Damit ist die Wasserkraft auch die derzeit meistgenutzte regenerative Energie im Stromsektor Das theoretische Potenzial ist jedoch noch weitaus größer; es würde ausreichen, um den globalen Strombedarf komplett zu decken.

 

Das Angebot an Wasserkraft ist auf der Erde sehr unterschiedlich verteilt. Fast die Hälfte des theoretischen Potenzials entfällt auf Asien, jeweils etwa 15 Prozent auf Nord- und Mittelamerika einerseits und Südamerika andererseits. Afrika macht zehn Prozent aus, Europa etwa acht. In Asien sind China, Indien, Russland und Indonesien die Länder mit dem höchsten Aufkommen an Wasserkräften, in Südamerika führt Brasilien, in Europa liegt Norwegen vorne.

 

Von den wirtschaftlich nutzbaren Wasserkräften sind in Europa heute 75 Prozent erschlossen. In Asien sind es erst 22 Prozent, in Südamerika 20, und in Afrika sieben Prozent. Entsprechend ist der Ausbau der Wasserkraft für den internationalen Klimaschutz ein wichtiges Thema.

 

Auch in Europa gibt es noch Potenziale. Bis zum Jahre 2010 könnten in der Europäischen Union bis zu 4500 Megawatt zusätzlicher Kleinwasserkraftwerke bis jeweils maximal zehn Megawatt installiert werden, ermittelte etwa der französische Wasserkraftverband. So steht es auch im Weißbuch der EU zu den erneuerbaren Energien. Zusammen mit den bereits in der Union installierten 6900 Megawatt könnten bis in sechs Jahren Kleinwasserkraftwerke "im Äquivalent von zwölf Atomreaktorblöcken" am Netz sein.

 

Frankreich wird an dem Zubau vermutlich den größten Anteil haben. 1000 zusätzliche Megawatt können nach Angaben des Verbandes in den nächsten Jahren zwischen Kanalküste und Pyrenäen nutzbar gemacht werden. Auch Italien hat noch Möglichkeiten: 45 Milliarden Kilowattstunden werden dort pro Jahr erzeugt, bei 65 Milliarden liegt das Potenzial.

 

In Deutschland werden heute je nach Niederschlagsmenge jährlich zwischen 20 und 25 Milliarden Kilowattstunden erzeugt, was etwa vier bis fünf Prozent des nationalen Stromverbrauchs entspricht. Im Vergleich zu der bereits installierten Menge allerdings sind die Ausbaupotenziale in Deutschland recht überschaubar. Durch Modernisierung und Erweiterung bestehender Anlagen ließen sich noch Mehrerträge von jährlich etwa 1,5 Milliarden Kilowattstunden gewinnen. Durch Neubauprojekte könnten nochmals bis zu fünf Milliarden hinzu kommen.

 

 
 
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