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Der Hintergrund 0 Erdwärme

 

Erdwärme - die unbekannte Energiequelle

 

Häufig wird sie unterschätzt, und oft sogar vergessen: die Geothermie. Wenn von erneuerbaren Energien die Rede ist, geht es meist um Sonne, Wind und Wasserkraft, und allenfalls noch um die Biomasse. Erdwärme kommt in der öffentlichen Diskussion nur selten vor.

 

Zu Unrecht. Denn das Potenzial der Geothermie ist riesig. Allein die Wärme, die in den oberen zehn Kilometern der Erdkruste steckt, würde theoretisch ausreichen, um Hunderttausende von Kraftwerken mit der Leistung heutiger Atomreaktoren zu betreiben.

 

Die Nutzung der Erdwärme kann auf verschiedene Arten geschehen. Am weitesten verbreitet sind Erdsonden, die wenige Meter in den Boden reichen. Doch sie verwerten nur zu einem geringen Teil die eigentliche Geothermie. Statt dessen machen sie sich primär das Phänomen zu nutze, dass die Erde in einigen Metern Tiefe eine konstante Temperatur aufweist, die im Winter höher liegt als die Lufttemperatur - und somit ein Wärmepotenzial bietet.

 

Die Erdwärme im engeren Sinne, die vom heißen Erdkern herrührt, und zudem durch natürliche Zerfallsprozesse stetig neu entsteht, trifft man üblicherweise erst in tieferen Schichten an. Im globalen Durchschnitt steigt die Temperatur unter dem Festland alle 100 Meter um drei Grad. An Orten mit so genannten thermischen Anomalien steigt die Temperatur in der Tiefe aber oft deutlich schneller an - das sind dann die bevorzugten Gebiete für die Erdwärmenutzung.

 

Eine solche Region ist zum Beispiel der Oberrheingraben, wo mancherorts bereits in 2000 Meter Tiefe Temperaturen über 100 Grad Celsius herrschen. Die größte Faszination übt jedoch die Stromerzeugung durch Geothermie aus. Nachdem ein europäisches Forschungsprojekt im elsässischen Soultz-sous-Forêts gute Fortschritte gemacht hat, gibt es an mehreren Orten des Oberrheingrabens - aber auch zum Beispiel im schwäbischen Urach - längst Pläne, leistungsstarke Geothermie-Kraftwerke zu bauen. Das erste in Deutschland läuft seit Herbst in Mecklenburg-Vorpommern, in Österreich und auch in Italien gibt es schon länger Erdwärmekraftwerke. Der Strom wird erzeugt, indem das heiße Wasser eine Dampfturbine oder eine vergleichbare Maschine antreibt.

 

Schon heute werden weltweit etwa 8000 Megawatt Strom (das entspricht etwa acht Atomkraftwerken) und 15.000 Megawatt Wärme aus Geothermie genutzt. Im Wärmemarkt führt Europa mit knapp 6000 Megawatt, im Strommarkt sind Amerika und Asien führend. Doch die Potenziale sind noch weitaus größer. Theoretisch könnte der globale Energiebedarf tausendfach aus Erdwärme gedeckt werden.

 

Seit das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Deutschland auch für Strom aus Erdwärme eine Mindestvergütung festgelegt hat, entwickelt das Thema hierzulande wieder eine starke Dynamik. Der Vorteil der Geothermie: Die Kraftwerke können rund um die Uhr mit konstanter Leistung laufen. Ihre Leistung ist nicht vom Wetter abhängig - sie sind daher ein wichtiger Baustein im erneuerbaren Energiemix.

 

 
 
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