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Bayern
Wärme, Kälte und Strom aus dem Holzkessel
Der eigentliche Vater des Projektes hat sich längst
zurückgezogen. Es war Anfang der neunziger Jahre, als in
Pfaffenhofen an der Ilm ein ökologisch orientierter Landwirt
an ein Heizwerk dachte. Mit Elefantengras wollte er es
betreiben, eventuell auch mit schnell wachsendem
Plantagenholz, etwa von Pappeln.
Der Landwirt entwickelte seine Ideen vom reinen Heizwerk
weiter zum Heizkraftwerk - also mit zusätzlicher
Stromerzeugung. Der ursprünglich eingesetzte Planer wollte
gegen den Willen seines Auftraggebers gerne zusätzlich
Altholz in der Anlage einsetzen. So fehlte dem Projekt die
Akzeptanz im Ort. Es gab Widerstände - der Landwirt zog sich
zurück.
Fünf ortsansässige Geschäftsleute griffen die Idee Anfang
1997 wieder auf und garantierten, nur naturbelassenes Holz
zu verbrennen. Damit war eine Mehrheit der zunächst
skeptischen Bürger für das Projekt zu gewinnen, was sich in
einem Bürgerentscheid im November 1998 auch bestätigte.
Seit Sommer 2001 ist das Holzkraftwerk in Pfaffenhofen nun
in Betrieb. Jedes Jahr werden 80.000 Tonnen unbehandeltes
Holz in dem Werk zur Energieerzeugung genutzt. Zu einem
großen Teil sind es Holzhackschnitzel aus den Wäldern rund
um die Gemeinde. Ein weiterer Teil wird von
holzverarbeitenden Betrieben der nahen Umgebung geliefert.
"So sichern wir Wertschöpfung in der Region", sagt Planer
Volkmar Schäfer von der Pfaffenhofener eta-Energieberatung.
Gut 43 Millionen Euro investierten die Betreiber des
Heizwerkes, und sparen dadurch jährlich rund 24 Millionen
Liter Heizöl.
Den erzeugten Strom speist das Kraftwerk ins Netz ein, die
Wärme wird über Fernwärmeleitungen an zahlreiche Abnehmer
geliefert. Bezieher der Wärme sind das örtliche Rathaus, das
Landratsamt, Schulen, Industrie- und Gewerbebetriebe, eine
Klinik und mehr als 100 private Abnehmer. Größter Wärmekunde
ist der Babynahrungshersteller Hipp.
Und weil im Sommer viel Wärme anfällt, die nicht vollständig
genutzt werden kann, macht man einfach Kälte draus: Die
Wärmeenergie wird genutzt, um Kältemaschinen zu betreiben -
ein nur scheinbar paradoxes Verfahren. Auf diese Weise
werden mehrere Bürogebäude der Stadt klimatisiert, sowie
Prozesskälte für das städtische Krankenhaus und eine
nahegelegene Brauerei erzeugt.
"Wir haben hier die bestmögliche Kraft-Wärme- und
Kraft-Kälte-Kopplung realisiert", sagt Kraftwerksleiter
Herbert Bauer. Und nicht nur das Umweltbundesamt lobt das
Projekt als "zukunftsweisende kommunale
Energieversorgungskonzeption" und "vorbildliches System der
Fernwärmeversorgung", das "unter Umweltgesichtspunkten sehr
zu befürworten" ist.
Kontakt:
Biomasse_Heizkraftwerk
Pfaffenhofen GmbH
Raiffeisenstr. 19
85276 Pfaffenhofen
Tel. 08441/49849-0
Fax 08441/49849-9
www.bmhkw.de/start.html
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